Was bedeutet der Begriff "klimaneutral"?

Ein Produkt, eine Dienstleistung oder ein Unternehmen sind klimaneutral, wenn sie das Klima durch Prozesse oder Tätigkeiten weder positiv noch negativ beeinflussen. Das bedeutet, dass entweder keine Treibhausgase in die Atmosphäre abgegeben oder deren Emissionen vollständig kompensiert werden, es also insgesamt zu keinem Konzentrationsanstieg der Gase kommt (Netto-Nullemission).

Was sind Treibhausgase?

Als "Treibhausgase" bezeichnen Expert*innen bestimmte chemische Stoffe, die sich in der Atmosphäre anreichern und sich auf das Weltklima auswirken. Diese Gase verhindern, dass Wärme von der Erde zurück ins All gelangt. So sorgen sie dafür, dass unsere Erde mit durchschnittlich 15° Celsius bewohnbar ist. Überdurchschnittlich viele CO2-Emissionen haben dieses natürliche Gleichgewicht jedoch empfindlich gestört. Die Folge ist ein Klimawandel, bei dem sich die Erde immer weiter aufheizt.* Laut dem Kyoto-Protokoll zur Emissionsreduktion gelten die folgenden chemischen Verbindungen als Treibhausgase:

  • Kohlendioxid (CO2)
  • Methan (CH4)
  • Distickstoffmonoxid (N2O)
  • Fluorkohlenwasserstoffe (HFCs)
  • perfluorierte Kohlenwasserstoffe (PFCs)
  • Schwefelhexafluorid (SF6)
  • Stickstofftriflurid (NF3)

Laut dem Umweltbundesamt entfielen im Jahr 2020 in Deutschland 87,1 Prozent der freigesetzten Treibhausgase auf Kohlenstoffdioxid, 6,5 Prozent auf Methan, 4,6 Prozent auf Lachgas und rund 1,7 Prozent auf die F-Gase (FKW, HFKW, SF6, NF3).

Wie hoch ist der CO2 Ausstoß des Internets?

Der französische Think Tank „The Shift Project“ beschäftigt sich mit der durch die digitale Welt verursachte Umweltbelastung. Sie ermittelten 2018 in einer Hochrechnung, dass digitale Technologien für 3,7 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen* verantwortlich sind. Eine weitere Studie aus Großbritannien hat ergeben, dass geschätzt 1,8 bis 2,8 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen durch den Betrieb von Internet und Computern verursacht wird. Bereinigt um die Kürzung von Lieferkettenpfaden stellten sie zudem fest, dass dieser Anteil tatsächlich zwischen 2,1 Prozent und 3,9 Prozent liegen könnte.**

Wie viel ist das?

Geht man mit 3,9 Prozent vom höchsten Wert aus, den Forschende ermittelt haben, so wären die Treibhausgasemissionen durch Internet und Computer sogar etwas höher, als die des weltweiten Flugververkehrs. Laut Europäischem Parlament lag dessen Anteil 2017 bei etwa 3,4 Prozent.***

 

Wie entsteht durch Internetnutzung überhaupt CO2?

CO2 entsteht bei der Nutzung des Internets vor allem durch den Energieverbrauch von allen dort relevanten elektronischen Systemen und Komponenten. Dazu gehören beispielsweise unsere Endgeräte wie Laptop oder Smartphone, Server und Datenzentren aber auch alle Datenleitungen und sogenannte Router sowie Gateways. Sie alle verbrauchen im Betrieb Energie und verursachen damit CO2.
Kurz gesagt: Jeder Klick verursacht CO2-Emissionen. Wie hoch der Energiebedarf ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab, beispielsweise:

  • Wie lange ich Daten im Internet sende oder empfange
  • Wie groß meine Daten sind, die ich verbrauche
  • Mit welcher Übertragungstechnologie ich im Internet bin


Wie kann das Internet klimafreundlicher werden?

Neben einer individuellen und bewussten Internetnutzung ist auch die Art der Übertragungstechnologie ausschlaggebend. Zu Veranschaulichung ein Beispiel:


Wird ein HD-Video eine Stunde lang über ein echtes Glasfasernetz (der Glasfaseranschluss liegt in der Wohnung – bekannt als FTTH) gestreamt, lassen sich für Rechenzentrum und Übertragungsweg zwei Gramm Treibhausgasemissionen pro Stunde ermitteln. Beim kabelgebundenen VDSL (Kupferleitungen) verursacht das Streaming des Videos pro Stunde mit etwa vier Gramm Treibhausgasemissionen bereits rund das Doppelte.


*** https://www.europarl.europa.eu/news/de/headlines/society/20191129STO67756/co2-emissionen-des-luft-und-schiffsverkehrs-zahlen-und-fakten-infografik